Die EU ver­schlankt mit dem Omni­bus-Paket ihre Nach­hal­tig­keits­re­gu­lie­rung deut­lich — ohne die Zie­le des Green Deal auf­zu­ge­ben. Des­sen Kern bleibt: Bis 2050 Kli­ma­neu­tra­li­tät für die gesam­te EU zu erreichen.

Für die meis­ten mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men bedeu­tet die Eini­gung zum Omni­bus-Paket neue Plan­bar­keit und deut­lich weni­ger Berichts­pflich­ten.

Gleich­zei­tig wächst die stra­te­gi­sche Eigen­ver­ant­wor­tung: Ohne kla­re Vor­ga­ben müs­sen Unter­neh­men selbst ent­schei­den, wie sie Nach­hal­tig­keits­ri­si­ken und ‑chan­cen stra­te­gisch und finan­zi­ell steuern.

Kurz gesagt: Die regu­la­to­ri­sche Kom­ple­xi­tät sinkt – die Anfor­de­run­gen an stra­te­gi­sches Han­deln stei­gen.

Vom Green Deal zum Clean Industrial Deal

Anfang der 2020er Jah­re hat die EU eine Rei­he von Geset­zen auf den Weg gebracht, um den Green Deal umzu­set­zen. Dar­un­ter fal­len ins­be­son­de­re die CSRD, also die Cor­po­ra­te Sus­taina­bi­li­ty Report­ing Direc­ti­ve mit ihren neu­en Nach­hal­tig­keits­be­richts­stan­dards sowie die CSDDD, das euro­päi­sche Lieferkettengesetz.

Die­se Rechts­ak­te sol­len dabei helfen,

  • Kapi­tal­flüs­se in nach­hal­ti­ge Inves­ti­tio­nen für mehr inklu­si­ves Wachs­tum zu lenken
  • Finan­zi­el­le Risi­ken aus Kli­ma­wan­del, Res­sour­cen­knapp­heit, Umwelt­zer­stö­rung und sozia­len Pro­ble­men zu bewäl­ti­gen sowie
  • Trans­pa­renz und Lang­fris­tig­keit in der Finanz- und Wirt­schafts­tä­tig­keit zu fördern

Auch an die­sen Zie­len hat sich bis heu­te nichts geändert.

Doch seit 2024 wur­den die Stim­men aus der Wirt­schaft lau­ter, die Euro­pa sei­ne zuneh­mend man­geln­de Wett­be­werbs­fä­hig­keit und über­bor­den­de Büro­kra­tie klar vor Augen führ­te. Der Draghi-Report zeig­te ein­drück­lich auf, wie Euro­pa an Wett­be­werbs­kraft und Inves­ti­ti­ons­dy­na­mik ver­lor und mahn­te tief­grei­fen­de Refor­men sowie deut­lich höhe­re Inves­ti­tio­nen an.

Die Ant­wort der EU-Kom­mis­si­on: eine wirt­schafts­po­li­ti­sche Neu­aus­rich­tung, unter­mau­ert mit dem Clean Indus­tri­al Deal (CID). Der CID ver­la­gert den Fokus – weg von Risi­ken, hin zu Wachs­tum durch grü­ne Tech­no­lo­gien, güns­ti­ge sau­be­re Ener­gie, indus­tri­el­le Resi­li­enz und Inves­ti­tio­nen in nach­hal­ti­ge Inno­va­tio­nen. Nach­hal­tig­keit wird spitz als Busi­ness Case verstanden.

Omnibus — Deutliche Entlastung für den Mittelstand

Im Zuge die­ser Neu­aus­rich­tung hat die EU-Kom­mis­si­on gemein­sam mit Rat und Par­la­ment das Omni­bus-Paket geschnürt – ein spür­ba­res Ent­las­tungs­pa­ket für Unter­neh­men, ins­be­son­de­re für den Mittelstand.

Mit Teil I des Omni­bus-Pakets („Stop the Clock“) wur­den Anfang 2025 zunächst die Anwen­dungs­ter­mi­ne ver­scho­ben: CSRD-Berichts­pflich­ten rücken um zwei Jah­re nach hin­ten, CSDDD-Pflich­ten um ein Jahr.

Des Wei­te­ren einig­ten sich die EU-Kom­mis­si­on, der Euro­päi­sche Rat und das Euro­päi­sche Par­la­ment im sog. Tri­log-Ver­fah­ren auf wei­te­re Erleich­te­run­gen, die noch Mit­te Dezem­ber 2025 in Straß­burg end­gül­tig ver­ab­schie­det wer­den sollen.

Kernpunkte des Omnibus-Pakets (Dezember 2025)

Laut Pres­se­mit­tei­lun­gen des Rates der Euro­päi­schen Uni­on und des Euro­päi­schen Par­la­ments las­sen sich die neu­en Regeln wie folgt zusammenfassen:

Für die meis­ten mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men ist das eine spür­ba­re Entlastung:

  • Die Nach­hal­tig­keits­be­richts­pflicht der CSRD greift künf­tig erst ab 1.000 Mit­ar­bei­ten­den und €450 Mio. Umsatz
  • Nicht berichts­pflich­ti­ge Zulie­fe­rer unter 1.000 Mit­ar­bei­ten­den dür­fen Anfra­gen von CSRD-pflich­ti­gen Unter­neh­men über den sog. Value Chain Cap ablehnen.
  • Rein finan­zi­el­le Grup­pen­un­ter­un­ter­neh­men (Hol­dings) sind gänz­lich befreit
  • Die bran­chen­spe­zi­fi­sche Bericht­erstat­tung sowie die Prü­fung des Nach­hal­tig­keits­be­richts mit hin­rei­chen­der Sicher­heit blei­ben dau­er­haft freiwillig
  • Ein Kli­ma­an­pas­sungs­plan ist wie bis­her nur dann offen­zu­le­gen, wenn das The­ma „ESRS E1 — Kli­ma­wan­del“ mate­ri­ell ist.

Im Bereich der CSDDD betrifft die Pflicht zur men­schen­recht­li­chen und öko­lo­gi­schen Sorg­falt in der Lie­fer­ket­te künf­tig nur noch sehr gro­ße Unter­neh­men ab 5.000 Mit­ar­bei­ten­den und €1,5 Mrd. Umsatz pro Jahr. Die Pflicht zum Kli­ma­an­pas­sungs­plan ent­fällt und zivil­recht­li­che Kla­ge­mög­lich­kei­ten sind auf natio­na­le Rege­lun­gen beschränkt.

Unter­neh­men haben in der Durch­füh­rung ihrer Sorg­falts­pflich­ten (Due Dili­gence) zudem weit­ge­hen­de Fle­xi­bi­li­tät, d.h. sie kön­nen einen risi­ko­ba­sier­ten Ansatz wäh­len, indem sie direk­te Geschäfts­part­ner bzw. Akti­vi­tä­ten in Risi­koklas­sen ein­tei­len und nur sol­che Geschäfts­part­ner und/oder Akti­vi­tä­ten mit hohem Risi­ko für eine nega­ti­ve Aus­wir­kung priorisieren.

Für Ver­stö­ße gegen die CSDDD wer­den jeweils natio­na­le Vor­ga­ben gel­ten, wobei ein Straf­maß von maxi­mal 3% des welt­wei­ten Umsat­zes zuläs­sig ist.

Ab sofort: Hohe Planungssicherheit für den Mittelstand

Mit den Omni­bus-Ent­las­tun­gen erhal­ten Unter­neh­men Plan­bar­keit. Zudem sinkt die Anzahl der berichts­pflich­ti­gen Unter­neh­men mit der Omni­bus-Eini­gung dras­tisch. Waren bis­lang rund 15.000 Unter­neh­men in Deutsch­land berichts­pflich­tig, fal­len jetzt geschätzt 85% bis 95% aller deut­scher Unter­neh­men aus der Anwen­dung, so dass nur ca. 1.500 sehr gro­ße Unter­neh­men von CSRD und CSDDD direkt betrof­fen sind.

Doch mit der Ent­las­tung ist das The­ma nicht been­det und Unter­neh­men müs­sen wei­ter­hin han­deln. Denn auch ohne for­ma­le Berichts­pflicht blei­ben Nach­hal­tig­keits­in­for­ma­tio­nen in der Wert­schöp­fungs­ket­te hoch­re­le­vant. Ins­be­son­de­re Ban­ken, Inves­to­ren und Groß­kun­den benö­ti­gen die­se Infor­ma­tio­nen als Steuerungsgrößen.

Kurz­fris­tig sinkt also der regu­la­to­ri­sche Druck. Mit­tel­fris­tig stei­gen jedoch die Anfor­de­run­gen an das stra­te­gi­sche ESG-Management.

Strategisch handeln heißt: Nachhaltigkeit und Finanzen miteinander verbinden

Die Deut­sche Bun­des­bank warn­te jüngst, dass unge­brems­te Kli­ma­ri­si­ken bis 2050 zu einem Rück­gang des glo­ba­len BIP um bis zu 15 % füh­ren kön­nen – ohne Sekun­där­ef­fek­te wie anstei­gen­de Mee­res­spie­gel, Migra­ti­on oder Natur­ver­lust einzurechnen.

Schon heu­te zei­gen Ereig­nis­se wie die Flut­ka­ta­stro­phen im Ahrtal (2021) oder in Valen­cia (2025), dass phy­si­sche und Über­gangs­ri­si­ken direk­te finan­zi­el­le Aus­wir­kun­gen haben.

Gleich­zei­tig ent­ste­hen enor­me Chancen:

  • Neue grü­ne Tech­no­lo­gien ver­drän­gen alte Wertschöpfungsmodelle,
  • Kreis­lauf­wirt­schaft redu­ziert Abhän­gig­kei­ten von Rohstoffen,
  • Nach­hal­ti­ge Pro­duk­te sichern Markt­an­tei­le in wach­sen­den Segmenten.

Unter­neh­men brau­chen daher einen kla­ren Ori­en­tie­rungs­rah­men, wie sie Nach­hal­tig­keit betriebs­wirt­schaft­lich steuern.
Gefragt ist ein stra­te­gi­scher Kom­pass, der Wer­te, Wis­sen, Know-How und finan­zi­el­le Steue­rung sinn­voll mit­ein­an­der ver­knüpft – ein inte­grier­tes ESG-Manage­ment, das sowohl Risi­ko­re­duk­ti­on als auch Wachs­tums­po­ten­zi­al adressiert.

Finanzierungsrealität: Nachhaltigkeit bleibt Bonitätsfaktor

Auch wenn for­ma­le Berichts­pflich­ten für mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men ent­fal­len, blei­ben Ban­ken und Inves­to­ren an die SFDR (Sus­tainable Finan­ce Dis­clo­sure Regu­la­ti­on) und die EU-Taxo­no­mie gebun­den. Sie benö­ti­gen ver­läss­li­che ESG-Daten, um:

  • Kre­dit­ent­schei­dun­gen zu treffen
  • Kre­dit­kon­di­tio­nen festzulegen
  • Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen zu steuern
  • Unter­neh­men zu bewerten
  • Ihre eige­nen ESG-Risi­ken und Chan­chen zu steuern

Für Unter­neh­men heißt das: Wer sei­ne wich­tigs­ten ESG-Infor­ma­tio­nen sys­te­ma­tisch erfasst und offen­legt, stärkt sei­ne Kre­dit­wür­dig­keit und Inves­to­ren­at­trak­ti­vi­tät. Unter­neh­men, die die­se Infor­ma­tio­nen nicht bereit­hal­ten, soll­ten mit­tel­fris­tig mit Wett­be­werbs­nach­tei­len und stei­gen­den Kapi­tal­kos­ten rechnen.

Fazit: Nachhaltigkeit als Finanzthema einbinden

Die EU sen­det mit dem Omni­bus-Paket ein kla­res Signal: Weni­ger Büro­kra­tie, mehr Eigenverantwortung

Für den Mit­tel­stand ist jetzt der rich­ti­ge Zeit­punkt, Nach­hal­tig­keit als stra­te­gi­sches Finanz­the­ma zu begrei­fen — zum einen als Mit­tel für mehr Resi­li­enz in einer sich schnell ver­än­dern­den Welt und zum ande­ren für einen posi­ti­ven Bei­trag zur Gestal­tung unse­rer Zukunft.

Wer ESG-Risi­ken und Chan­cen früh­zei­tig in Risi­ko­ma­nage­ment, Finanz­pla­nung und Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen inte­griert, wird künf­tig nicht nur von Mit­ar­bei­ten­den, Kun­den und Part­nern belohnt, son­dern auch von Kapitalmärkten.

Autorin: Dani­elle Bud­de, CFA

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